Veröffentlicht am Di., 26. Mär. 2019 04:30 Uhr

Eine besondere Orgel für die Dorfkirche Schönefeld  

Das neue Instrument der Orgelbaufirma Kristian Wegscheider wird klanglich und in der Bauausführung genau auf den Kirchenraum abgestimmt. Passend zur Entstehungszeit unseres Gotteshauses entsteht eine Orgel, die nach historischen Vorbildern gefertigt wird. Damit ist sie hinsichtlich der Spiel- und Registertraktur rein mechanisch konzipiert. Erfahrungsgemäß sind solche Instrumente besonders zuverlässig und langlebig, vor allem auch dann, wenn wie in unserem Fall edle Materialien Verwendung finden.

Früher klangen Orgeln etwas anders als heute, weil historische Stimmungen zum Einsatz kamen, die  häufig  verwendete Tonarten in besonderem Glanz erstrahlen ließen. Die Lieder in unseren heutigen Kirchengesangbüchern stehen fast alle in solch „gebräuchlichen“ Tonarten, so dass eine „alte“ Stimmung den gemeinsamen Gesang deutlich beflügeln kann. Das ist nur ein Grund, warum ich mich in Absprache mit den Orgelsachverständigen gegen eine gleichstufige Unterteilung der Oktave entschieden habe. Die wohltemperierten Stimmung Johann Sebastian Bachs basiert auf einer ungleichstufigen Teilung. Er hat seine Instrumente nicht „gleichschwebend“ gestimmt, was heutige Pianisten ihm vielfach gerne unterstellen würden. Charakteristisch im Sinne Bachs klingen seine Orgelwerke nur dann, wenn die Tonarten unterschiedlich schweben. Für den ungeübten Hörer bekommt die Musik damit eine deutlichere Strahlkraft, wenn man sie entsprechend  sachkundig interpretiert. Durch die Musikgeschichte sind etwa 100 historische Stimmungen überliefert. Die „Bachische“ Variante gehört zu den gemäßigten Formen und ermöglicht die Verwendung aller Tonarten, wodurch auch modernere Kompositionen überzeugend  zu Gehör gebracht werden können.

Unsere Orgel soll in der größeren Ausführung 16 Register (Klangfarben) bekommen, verteilt auf zwei Manuale (Tastenreihen für die Hände) und Pedal (Fußklaviatur). Das Hauptwerk (unteres oder erstes Manual) befindet sich zusammen mit dem Pedalwerk in einem großen Gehäuse im hinteren Bereich der Empore, welches von unten kaum sichtbar sein wird. Das Nebenwerk (oberes oder zweites Manual) wird als Brüstungspositiv und sichtbares Schmuckstück gebaut. Das Nebenwerk wird zweifach transponierbar eingerichtet, was bedeutet, dass die dazugehörige Klaviatur nach rechts oder links verschoben werden kann. Durch diesen Vorgang kann der  Stimmton a1 von 440 Hz auf 415 Hz bzw. 465 Hz gesetzt werden, wodurch die Orgel jeweils einen Halbton höher oder tiefer als „normal“ klingt. Das ist beispielsweise für Kammermusik mit historischen Instrumenten interessant, oder für Sänger, die mit ihrer Stimme nicht so hoch kommen, oder eben ganz besonders hoch. Damit die Stimmung bei verschobener Klaviatur in sich rein bleibt, bekommen die Pfeifen im Brüstungspositiv eine Vorrichtung, mit deren Hilfe ihre Tonhöhen unkompliziert angepasst werden können. Diese Umstimmbarkeit  macht unsere Orgel zu einer ausgesprochen bemerkenswerten Besonderheit. 

(Thomas Müller)  

Disposition 

Variante mit 13 Registern und ohne Zungenstimme
(Sollte die Finanzierung möglich sein, wäre auch eine größere Variante mit 16 Registern und einer Zungenstimme möglich. Diese ist aber aktuell nicht in Auftrag gegeben.) 

Nebenmanual
1) Gedackt 8‘             
2) Quintadena 8‘ (C-H Ged.)
3) Principal 4‘                                  
4) Flöte 4‘ (Holz)                             
5) Flöte 2‘ Metall                             
6) Nasat/Terz 3’/1 3/5’  (nur bei der größeren Orgelvariante)     

Hauptwerk
1) Bordun 16
2) Principal 8‘
3) Flöte 8‘
4) Viola di Gamba 8‘ (nur bei der größeren Orgelvariante)
5) Octave 4‘
6) Traversflöte 4‘ 
7) Quinte 3’
8) Superoctave 2’
9) Mixtur 3 fach
10) Oboe 8‘ (nur bei der größeren Orgelvariante)

Pedal (5 Wechselschleifenregister)
1) Subbaß 16‘
2) Oktavbaß 8‘
4) Cello 8’ (nur bei der größeren Orgelvariante)
5) Choralbaß 4‘
10) Fagott 8‘ (nur bei der größeren Orgelvariante) 

Manualumfang C – f‘‘‘, Pedal C – f‘;
Stimmtonhöhe für die ganze Orgel 440 Hz bei 17 °C;
historische Temperierung;
Transponiermöglichkeit für ein Manual (Nebenmanual) 415/440/465 Hz;
Schiebe– oder Gabelkoppel als Manualkoppel, Pedalkoppel I/P als Trakturkoppel

Kategorien Orgelbau